Denkblockaden einreissen!

19. November 2008

Die sinnlose Verwüstung des Foyers der Humboldt Universität zu Berlin im Rahmen der bundesweiten Schulstreiks und die damit einhergehenden antisemitischen und antiintellektuellen Kollateralschäden wurden am Wochenende endlos zu Propagandazwecken sowohl der Massen- als auch Alternativmedien ausgeschlachtet. Wie man es dreht und wendet, das Fazit bleibt eher peinlich.

Was zu Anfang schockierte war die hemmungslos herausgelassene “angestaute Wut” gemischt mit diffusen politischen Statements auf der einen und naiv dümmlichem Hedonismus auf der anderen Seite der demonstrierenden Schülerschaft. Die nachträglich von der Organisation herausgegebenen halbherzigen Entschuldigungs- und Erklärungsversuche haben die Misere leider nur verschlimmert.

Alles in Allem haben die Berliner Schüler eines Bewiesen: die Bildung in der Hauptstadt ist nicht einfach nur schlecht, sondern alarmierend katastrophal - angesichts der Bilder eines naiven, wütenden, intoleranten und grenzenlos hedonistischen Mobs von selbsternannten Antifaschisten und Antikapitalisten, die warscheinlich noch nicht einmal wissen, was diese Fremdwörter bedeuten und sich verhalten, wie grenzdebile faschistoide Emo-Teens auf Speed. Es gibt einiges an Nachholbedarf zu den Themen Gesellschaft, Politik und Geschichte.

Doch nicht nur die berliner Schüler befinden sich in einem bedauernswerten Zustand - auch die Studenten sind zu bemitleiden. Geistig eingezwängt in einem straff durchgepeitschten Bachelor-Studium, welches das Ziel hat spezialisierte Akademiker für den globalisierten Arbeitsmarkt auszuspucken, haben sie nie die Möglichkeit, den Willen und die Zeit gehabt, sich mit der Gesamtsituation der Bildung in Deutschland genügend auseinanderzusetzen, um auf den Trichter zu kommen, dass es ja hätte Sinn machen können, sich mit den bundesweiten Schulstreiks zu solidarisieren und auf die eigene Situation aufmerksam zu machen.

Während in Berlin die Fetzen flogen, war in Heidelberg wie zu erwarten nicht viel los. Man verhielt sich durchwegs Obrigkeitshörig und gesittet - aber zeigte sich zumindest in der Bildungskritik ein vielfaches reflektierter und pointierter als die Streikgenossen andererorts - was vielleicht nicht wundert, denn BaWü ist bei den Pisa-Tests ja ganz weit vorne dabei - im globalen Wettbewerb ums geistige Kapital.

links liegen gelassen…

18. November 2008

“Die radikale Linke steckt [...] im gleichen Dilemma wie die reformistische Linke. Beide verfügen nicht über eine Konzeption einer radikal-reformistischen Transformationsstrategie. Der Kapitalismus ist in einer heftigen Krise, aber er ist keineswegs am Ende und die Revolution steht nicht vor der Tür. Bisher sind die Kämpfe ja nicht einmal so weit entwickelt, dass man davon ausgehen könnte, sie wären stark genug, der Gegenseite radikale Reformen abzunötigen. Aber es gibt eben auch keine Vorstellung davon, wie die auszusehen hätten. Im Konkreten ist die kapitalistische Vergesellschaftung auch in unseren Köpfen doch recht alternativlos.

Das hat einerseits objektive Gründe. Die radikale Linke war lange gesellschaftlich so isoliert, dass wenig für die Annahme sprach, eigene Transformationsvorstellung seinen bald tagespolitisch gefragt. Und auch tatsächlich ist es nicht ganz einfach, sich vorzustellen, wie die Organisation des täglichen Überlebens gelingen soll, wenn Geldsystem und gesellschaftliche Arbeitsteilung denn tatsächlich zusammenbrechen würden. Diese Befürchtung teilen wir ja durchaus mit den “Massen”.

Aber auch subjektiv fehlt uns vieles: Wo ist das Wissen, wie man Betriebe organisiert? Wo ist die Verbindung von arbeitsteiliger und Eigenproduktion? Wo sind radikal über die bestehenden Verhältnisse hinausführende Richtungsforderungen, die dennoch im Bestehenden beginnen? Wo ist die Klarheit, welche ökonomischen Schrumpfungsprozesse man unmittelbar angehen will?” (Werner Rätz, ak)

Remember, remember, the 9th of November!

11. November 2008

“Statt Tränen über den letzten Holocaust zu vergießen, hätte man über den kommenden reden müssen, der im Nahen Osten geschehen wird, wenn die Bundesrepublik und Europa ihren Kurs gegenüber dem Iran nicht ändern. Denn „aus der Geschichte lernen“, heißt auch, die Zeichen an der Wand rechtzeitig zu erkennen, Despoten und Fanatiker ernst zu nehmen, die ganz ungeniert aus ihren Herzen Mördergruben machen. Weil das aber mit allerlei Folgen verbunden wäre, unter anderem für die Außenhandelsbilanz, diskutiert man in der Bundesrepublik lieber darüber, ob der derzeitige iranische Präsident gedroht hat, Israel von der Landkarte auszuradieren, oder nur den Wunsch geäußert hat, das zionistische Regime möge von den Seiten der Geschichte verschwinden, quasi von alleine und ohne Gewalteinwirkung.

Es ist einfacher und macht mehr Spaß, sich gegenseitig zu versichern, dass der 9. November 1938 „nie wieder“ geschehen dürfe, und über den Verlust zu klagen, den die Austreibung der Juden der deutschen Kultur zugefügt hat. Denn die Welt liebt Juden, die auf dem Weg in den Tod noch schnell ein paar Gedichte schreiben, über die später Literaturseminare abgehalten und Dissertationen verfasst werden können. Der tote Jude ist ein gern gesehener Gast in der guten Stube des schlechten Gewissens; Juden, die etwas weniger feingeistig sind, dafür aber Kampfjets fliegen und mit Gewehren umgehen können, werden ermahnt, ihre eigenen Traditionen nicht zu verraten: die des Humanismus, des Pazifismus und der Wehrlosigkeit.

Dabei sind die Juden noch relativ gut dran, denn sie haben aus der Geschichte gelernt. Man hätte an diesem 9. November auch über andere Minderheiten reden können, die heute verfolgt werden: über Christen in moslemischen Ländern, über die Armenier in der Türkei, die Kopten in Ägypten und vor allem über die Baha’i im Iran, deren Situation sehr wohl mit der Lage der Juden in Deutschland zwischen ’33 und ’39 vergleichbar ist. Oder auch über Frauen, die der Scharia geopfert werden, wie das 13-jährige Mädchen in Somalia, das zuerst von drei Männern vergewaltigt und dann als Strafe für ihr Fehlverhalten gesteinigt wurde. Es ist ganz einfach: Wer über Darfur nicht reden will, der sollte über Auschwitz schweigen.” (hmb, Neue Rundschau)

Der 9. November 1938 in Heidelberg

8. November 2008

Tritt man heute den Weg von der Hauptstraße in Richtung Neckar über die Große Mantelgasse an, so ist dem Besucher der Atem der Geschichte allgegenwärtig: Alte, grün bewachsene Häuser, kleine Fenster, das Hallen der Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster lassen den Geist der Romantik auferstehen. Kurz vor Erreichen des Neckars gleitet der Blick nach rechts, ein kleiner Platz zeigt sich. Was auf den ersten Blick einer verträumten Idylle gleicht, trägt jedoch die Last einer dunklen Seite deutscher Geschichte: Der Synagogenplatz. Eine Erinnerung an die Zerstörung der Heidelberger Synagoge in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938.

Am Tage war die Lage in Heidelberg noch völlig ruhig und entspannt gewesen. Der Befehl zur Zerstörung der beiden Synagogen in Rohrbach und in der Altstadt sowie jüdischer Wohnungen und Geschäftshäuser traf kurz vor Mitternacht bei der NS-Kreisleitung ein. Bald darauf zogen SA-Terrortrupps durch die Stadt, um ihr grauenvolles Werk zu beginnen. Zusammengesetzt waren sie aus allen Bevölkerungsschichten, eine besonders aktive Rolle bei der Zerstörungsarbeit wird auch den Studenten zugewiesen.

Das erste Ziel war die Heidelberger Synagoge in der Altstadt. Anwohner hörten zwischen zwei und drei Uhr nachts von der Straße ein lautes Klopfen und Hämmern und sahen, daß sich Leute in Richtung Synagoge bewegten und in diese hineintraten. Kurz darauf loderten riesige Flammen aus dem Gebäude, nur wenig später stürzte das Dach ein.

Als gegen vier Uhr die Feuerwehr anrückte, wurde ihr von SA-Männern befohlen, lediglich den Übergriff der Flammen auf angrenzende Häuser zu verhindern. Nichts mehr sollte von der Synagoge übrigbleiben. Mit Waffenandrohung wurden die Versuche, das Gotteshaus zu löschen, unterbunden.

Am späten Vormittag des darauffolgenden Tages war die erst im Jahr 1937 mit viel Aufwand renovierte Synagoge vollständig niedergebrannt. Die geraubten Thorarollen und andere wertvolle rituelle Gegenstände wurden eine Woche später öffentlich auf dem Universitätsplatz verbrannt.

Auch die zweite Heidelberger Synagoge in der Rathausstraße in Rohrbach blieb in dieser Nacht nicht von der Zerstörungsgewalt der Faschisten verschont. Wiederum demolierten SA-Schergen die Inneneinrichtung und setzten diese in Brand. Doch begann die Freiwillige Feuerwehr Rohrbach mit Hilfe zahlreicher Anwohner bald mit Löschungsarbeiten, so daß das Gebäude selbst nur leicht beschädigt wurde. Das Nichteingreifen noch anwesender SA-Leute wird zum Teil dadurch erklärt, daß im dichtbebauten Gebiet ein Übergreifen der Flammen nur schwer zu verhindern gewesen wäre. Die feindselige Haltung der Anwohner mag dabei eine wichtige Rolle gespielt haben.

Neben den beiden Synagogen wurden zahlreiche jüdische Wohnungen und Geschäfte zerstört. Gerade in der Altstadt fielen viele alteingesessene Geschäfte dem Terror zum Opfer. Oftmals beobachteten über 100 Menschen die Zerstörungswut, und nur wenige Mutige traten aus der sonst gleichgültig wirkenden Menge heraus und übten Widerstand, auch auf die Gefahr hin, selbst zur Zielscheibe der SS zu werden.

Wenige Stunden später bezogen jene SA-Leute, die bei der Zerstörung und Plünderung mitgewirkt hatten, in Uniform Stellung vor den verwüsteten Geschäften, um ein Ausrauben durch die auf einmal sehr aktiv werdende Masse zu verhindern.

Man wollte so den angeblich spontanen Charakter des Pogroms unterstreichen. Die Heidelberger Polizei selbst ignorierte sämtliche Vorkommnisse dieser Tage völlig, ihr war von höheren Stellen Stillschweigen verordnet worden.

Am nächsten Morgen zeigten viele Straßenzüge ein Bild des Grauens. Neben den beiden Synagogen waren die Wohnungen fast aller Heidelberger Juden, mindestens 20 Geschäfte, sowie zahlreiche Rechtsanwaltskanzleien und Arztpraxen Leidtragende der Naziideologie. Die romantische Neckarstadt sollte möglichst schnell von allem jüdischen Leben “gesäubert” werden.

Blickt man aus heutiger Zeit auf diese Ereignisse zurück, so scheinen sie dem direkten Blick schon weit entrückt. Doch sollte man nicht vergessen, daß auf dem Synagogenplatz, der im Sommer einer lauschig-schattigen, ruhigen Lichtung gleicht, vor einem halben Jahrhundert noch ein Gotteshaus und damit der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde in Heidelberg gestanden hatte.

Text: Heidelberger Studierendenzeitung Ruprecht #56, mg
Fotos: Ruprecht, Heimatmuseum Rohrbach, Alemannia Judaica

Nazis in der Region

6. November 2008

STRUKTUREN UND AKTIVITÄTEN DER EXTREMEN RECHTEN IN DER RHEIN-NECKAR-REGION

Aufmärsche, Propaganda, Übergriffe, Heldengedenken, Rechtsrock-Konzerte, Schulungsveranstaltungen… Die Neonazis der Rhein-Neckar-Region sind sehr aktiv. Die lokalen Kreisverbände der NPD, das Neonazi-Netzwerk „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ und die „Deutsche Liste“ haben in den letzten Jahren feste Strukuren etabliert und eine Organisierung über die ganze Region aufgebaut.
Der Vortrag beleuchtet die Strukturen der extremen Rechten und ihre wichtigsten Akteure. Dabei wird ein Schwerpunkt auf den Raum Mannheim/Ludwigshafen gesetzt.

ReferentInnen: Fachschaft für poltische Bildung des JUZ Mannheim

Wir möchten an dieser Stelle explitiz darauf hinweisen, dass Personen, die wir der rechten Szene zuordnen keinen Einlass haben. Wir werden von unserem Hausrecht Gebrauch machen. Diese Maßnahme dient dem Schutz der BesucherInnen und ReferentInnen.

19 Uhr - Aula der FH für Sozialwesen, Maxstr. 29, Ludwigshafen
Veranstaltet vom Bündnis Ladenschluss

RGB2Rv5

5. November 2008

Moin liebe Mitchaoten,

der Heidelberger NoName e.V. lädt ein zur RGB2Rv5.

Unsere Retrospieleparty “roots go back to the roots” findet 2008 nun zum 5. Mal statt. Wir spielen wie bereits seit der 2. Auflage im Forum 41 in Schwetzingen. Der Termin in diesem Jahr ist das Wochenende vom 28.-30.November 2008. Eine Anfahrtsbeschreibung findet ihr in unserem Wiki: https://www.noname-ev.de/w/Forum_41.

Das Progamm umfasst zum Jubiläum wieder jede Menge Spiel, Spaß und Action. Näheres dazu könnt ihr auf unserer Seite rgb2r.de oder in unserem Wiki finden.

Solltet ihr selbst noch Ideen und Vorschläge haben was passieren soll, so sind diese gerne gesehen. Außerdem freuen wir uns über rege Beteiligung an der Planung im Wiki, über die Mailingliste und im IRC-Channel !rgb2r im IRCnet.

Für Fragen, Anregungen und Ideen steht euch auch noch rgb2r@noname-ev.de zur Verfügung.

Der Unkostenbeitrag beträgt dieses Jahr 8€ für das Wochenende. Anmeldungen sind ab 27. Oktober 2008 möglich und erst nach Zahlungseingang gültig. Nachdem ihr das Anmeldeformular ausgefüllt habt, erhaltet ihr eine Bestätigungsmail mit Zahlungsinformationen. Dort gibt es auch die Möglichkeit T-Shirts und Loscher-Kästen zum Mitnehmen nach der Veranstaltung zu bestellen.

Durch die Größe des Veranstaltungsortes ist die Teilnehmerzahl auf 60 begrenzt - meldet euch also schnell an.

Wir freuen uns auf euer Kommen.

NoName e.V.

Ikone des Aufbruchs

5. November 2008

338 zu 163. das wahlergebnis spricht für sich. in der haut obamas möchte ich nicht stecken. der scherbenhaufen, den der kommende präsident zu beseitigen hat und die hoffnungen und wünsche, die das (weltweite) volk auf die präsidentschaft obamas projiziert hat, das alles ist so immens, dass ernüchterung und enttäuschung vorprogrammiert sind.

dennoch glaube ich, dass obamas aussergewöhnliches engagement und sein durchhaltewillen viel zur allgemeinen aufbruchstimmung beigetragen haben und sein motto “yes we can!” vielleicht der antriebsmotor sein kann für weltweite ökologische, demokratische und emanzipatorische kräfte und den mut, dinge selbst in die hand zu nehmen.

90 Jahre Räterepublik Baiern

4. November 2008

Am 7. November 1918 ziehen Friedensdemonstranten durch München und fordern den Umsturz. Die Soldaten aus den Kasernen schließen sich ihnen an und in der Nacht ruft Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus, ohne dass ein Schuss gefallen ist. Der König flieht und noch vor Berlin (9. November) siegt in der bayerischen Hauptstaat die Revolution. Aber wie soll das Volk die Staatsgewalt ausüben? In den folgenden sechs Monaten werden verschiedene Formen ausprobiert, von einer Mischung von Räten und Parlamentarismus über die anarchistische bis zur kommunistischen Räterepublik. Anfang Mai zerschlagen Reichswehr und Freikorps äußerst blutig dieses “Laboratorium” der direkten Demokratie.

Die Veranstaltungsreihe “90 Jahre Räterevolution - War es nur ein Traum” von Andrea Naica-Loebell und Ruth Oppl in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München findet von November 2008 bis Mai 2009 quer durch die Stadt München an verschiedenen Orten statt. Eine Vielzahl kultureller und politisch-historischer Veranstaltungen erinnert bewusst grenzüberschreitend an die Revolutionsepoche von 1918/19.

http://www.raeterevolution.de/

Election Night 2008 im DAI

4. November 2008

Dienstag 04 November 2008 20:00

Amerika wählt
Happening
DAI - Großer Saal

Normaler Preis 8.00 Euro
Ermäßigter Preis 5.00 Euro
Mitglieder Preis 4.00 Euro

Nachdem schon der Vorwahlkampf der demokratischen Partei zu einem wahren Thriller mutierte, erwartet uns heute eine noch spannendere Nacht. Wird Barack Obama tatsächlich zum ersten dunkelhäutigen Präsidenten der USA gewählt und sich damit für alle Zeiten in die Geschichtsbücher eintragen? Oder schafft Republikaner-Kandidat John McCain doch noch, die ihm gegenüber skeptisch eingestellten, christlich-fundamentalistischen Kreise zu den Urnen zu bringen, und die Wahl zu gewinnen?

Das DAI bleibt wie immer bis zur Entscheidung live dabei. TV-Übertragungen aus den USA auf Großleinwand, interessante Diskussionsrunden mit renommierten Journalisten und Politikern, Live-Schaltungen zu Korrespondenten in Washington sowie ein unterhaltsames Rahmenprogramm erwarten Sie und werden Sie zur Not die ganze Nacht bei Laune halten.

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Demokratie verpflichtet!

3. November 2008

Thomas von der Osten-Sacken artikuliert treffend, was wir in der allgemeinen Obamania und Bush-Bashing Hysterie nicht vergessen sollten:

“Gerade in den Jahren nach dem 11. September hatte  überall im Nahen Osten sich eine demokratisch-liberale Opposition gebildet, die darauf gehofft hatte, von den USA und dem Westen unterstützt zu werden. Sie wird immer stiller, denn eine ernsthafte Unterstützung blieb bekanntermaßen aus. So viele Versprechungen, die George W. Bush in seiner Amtszeit gemacht hatte, waren in der zweiten vergessen und zugunsten eines “multilateralen Handelns” aufgegeben. Die in Ägypten undanderswo eingeknasteten Oppositionellen können ein Lied davon singen.

Was künftig droht ist schließlich nicht nur die Weiterexistenz brutaler Diktaturen, sondern neben der iranischen Atombombe, der sukzessive Zerfall von Staaten und Gesellschaften, deren einziger Zusammenhalt noch auf Angst vor dem staatlichen Repressionsapparat, Abhängigkeit von der Ölrente und religiöser bzw. ideologischer Verblendung besteht. In Ländern, in denen durchschnittlich über 60% unter 23 Jahre alt sind, dasBildungswesen marode und  Ökonomien trotz hoher Ölpreise schrumpfen, dürfte dies nur eine Frage der Zeit sein. [...]

Und neben all den strategischen Überlegungen, die sicher wichtig und richtig sind, sollte nicht eines in Vergessenheit geraten: das grundlegende Recht von Menschen in Freiheit zu leben, egal in welchem Flecken dieser Erde. Und dieses Recht wird ihnen weiterhin vorenthalten. Es gab vor fünf Jahren die Hoffnung, dass dieses sich auch für den Nahen Osten endlich ändern könnte. Und an dieser Hoffnung ist festzuhalten, egal was nach der Ära Bush auch geschehen mag.” (Thomas von der Osten-Sacken, WADIblog)

der deutsche Michel…

1. November 2008

“sonderbar, dass die Deutschen, die man in jedem Winkel der Erde, von Bolivien bis Tibet, antrifft, nicht einsehen wollen, dass sie nach wie vor in einem Narrenparadies leben. Sie sind verdutzt oder empört, wenn das Wirtschaftswachstum unter die Nulllinie rutscht, als wäre das Weltende nahe. Offenbar wollen sie gar nicht wissen, wie der Kapitalismus funktioniert.”(Hans Magnus Enzensberger, SPON)

Lob an den Jugendgemeinderat

31. Oktober 2008

“Wir bedanken uns für die gute Arbeit des Jugendgemeinderates sehr herzlich. Der Jugendgemeinderat hat sich bei der Wahrnehmung der Interessen der Jugendlichen sehr bewährt und fordert zu Recht ein soziales und politisches Kulturzentrum für Jugendliche. [...] Natürlich muss so ein Kulturzentrum nicht nur FÜR Jugendliche sein, sondern auch VON Jugendlichen gestaltet werden. Dies wird nicht schwer sein, weil wir in Heidelberg unseren gut arbeitenden Jugendgemeinderat haben. [...] Da von so einem Projekt unmittelbar der Stadtteil Ochsenkopf betroffen wäre, müssen wir mit den Ochsenköpflern reden. Ich bin ein Ochsenköpfler. Wir sind dafür bekannt, dass wir auch gegen Windmühlen kämpfen können, wenn wir im Recht sind. So war es auch mit dem Poller. Wir haben hart und fair gekämpft, weil wir eine enorme Verkehrsbelastung dort hatten und haben. Wir Ochsenköpfler sind aber auch dafür bekannt, dass wir sehr konstruktiv und fair handeln können. Ich halte das Bahnbetriebswerk für eine sehr gute Lösung für ein Jugendkulturzentrum. Ich werbe dafür, dass auch der Stadtteil Ochsenkopf dies so sieht.” (Memet Kiliç, GAL)

The Revolution Will Be Televised

31. Oktober 2008

“Das zuverlässigste, vielleicht sogar einzige Mittel um einen Eindruck von der Verbreitung der Revolte an italienischen Schulen und Hochschulen zu bekommen ist zur Zeit Youtube. [...] Youtube [quillt] geradezu über von Filmchen, die quasi im Minutentakt einlaufen, um von Versammlungen, Schulbesetzungen, Demonstrationen im ganzen Land zu berichten. Meist sind die Videos von den Schülerinnen und Studenten selbst gemacht, in der Qualität von sehr bescheiden bis semiprofessionell, ab und zu auch Berichte von meist regionalen Fernsehsendern.” Diesen Beitrag weiterlesen »

Der Kunde ist König

30. Oktober 2008

“Die für Donnerstag, 30. Oktober 2008, angekündigten Baumfällungen werden um eine Woche verschoben, weil das Bauunternehmen die Anwohner zu kurzfristig darüber informiert hatte. „Hier wünsche ich mir mehr Sensibilität auch von den beteiligten Unternehmen. Wir haben die Genehmigung für die Fällung mit Rücksicht auf die ‘Lange Nacht des Einkaufens‘ am 31. Oktober 08 auf den 6. und 7. November verschoben“, wie Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner erklärt. „Darüber hinaus werden wir den Kunden, die an den beiden Novembertagen auf die Parkplätze in der Bahnhofstraße verzichten müssen, einen Euro Parkgebühr erstatten, wenn sie im Bauhaus-Parkhaus einfahren. Wir werden die örtlichen Einzelhändler ebenso unterstützen und begleiten, wie wir das in anderen Stadtteilen mit großem Erfolg bereits getan haben.“ (Pressemitteilung)

Die ersten Bäume werden gefällt…

29. Oktober 2008

Wie befürchtet, stimmte der Gemeinderat am 16. Oktober mit 21 zu 19 Stimmen dem Bebauungsplan Kurfürstenanlage / Bahnhofstraße zu, d. h. mit den Stimmen aller Stadträte der CDU, FDP, der Heidelberger und der Freien Wähler. Letztendlich war die Stimme des Oberbürgermeisters entscheidend.

Die BefürworterInnen entschieden sich damit gegen ihren eigenen Beschluss vom März des vergangenen Jahres. Hier ging es noch um eine aufgelockerte Bebauung mit offenen Innenhöfen, um Plätze und Grünflächen, um eine verbesserte Qualität des Wohnumfeldes und eine Anpassung der Gebäudehöhe an die Nachbarschaft mit höchstens 5 Stockwerken. Mit ihrem jetzigen Beschluss wurden diese schönen Absichten zum Schnee von gestern.

Sie stimmten jetzt für eine Straßenschlucht mit über 22 Meter hohen Blöcken, für eine Verdichtung auf über 160 Prozent der bisherigen Nutzfläche, für das Abholzen der Bäume, den Wegfall des größten Teils der Parkplätze, für eine massive Zunahme des Verkehrs und der Abgas- und Lärmbelastung der Anwohner. Dass eine solche Entscheidung für die Weststadt „genau die richtige“ sei (CDU-Fraktion), kann man nur noch als Zynismus bezeichnen: die vitalen Bedürfnisse der Bürger der Stadt scheinen ihnen weniger wert zu sein als die Profitinteressen des vom Land beauftragten bauwilligen Investors.

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Über das Elend im Studentenmilieu

29. Oktober 2008

Aber das wirkliche Elend des studentischen Alltags findet seinen unmittelbaren und fantastischen Ausgleich in seinem hauptsächlichen Opium: der kulturellen Ware. Im kulturellen Spektakel findet der Student ganz natürlich seinen Platz als respektvoller Schüler wieder. [...] Er bestätigt vollkommen die banalsten Marktanalysen amerikanischer Soziologen: ostentativer Konsum, Differenzierung in der Werbung zwischen Produkten gleicher Nichtigkeit. [...] Der Student ist wie jedermann stolz darauf, die Taschenbuchausgaben einer Reihe wichtiger und schwieriger Texte zu kaufen, die die “Massenkultur” in beschleunigtem Rhythmus auf den Markt wirft. Nur kann er nicht lesen. Er begnügt sich damit, sie mit den Augen zu konsumieren.” (Situationistische Internationale, 1966)

“Sub-Kultur nennen manche es noch, dieses immergleiche, ohne jedes Bewusstsein für die böse Ironie des Wortes: nichts anderes als Kultur, nur unterhalb davon. Die letzte Schwundstufe einer Gegenkultur, die einmal gegen die offizielle Kultur, diese Hyäne, aufgestanden war.

Die betäubende Langeweile in dieser Stadt geht nicht vom [...] konservativen Milieu aus, sondern längst vom studentischen Milieu und der ihm eigenen Lebensweise, den vielfältigen und immergleichen Kulturangeboten, die von denen, denen das Wort Jugendkultur nicht mehr die Schamesröte ins Gesicht treibt, gerne angenommen werden; einer Szene insbesondere, der man mit dem Stumpfsinn, auf den die sogenannten Massen hereinfallen, nicht mehr kommen braucht, weil sie einen eigenen, verfeinerten Stumpfsinn verlangen.

Die Subkultur derer, die sich mit der Hoffnungslosigkeit ihrer Existenz anscheinend abgefunden haben, ist nichts anderes als der Garant der Fortdauer dieser Hoffnungslosigkeit. Sie anzugreifen, ist heute eine unmittelbare Überlebensfrage, wenn aus der Verzweiflung doch noch etwas anderes kommen soll als Selbstzerstörung. [...]

Das Elend jeder Art von „Kultur“, die eine Ware ist, ist aber genau an dieser Karikatur eines Kulturzentrums abzulesen. Jede Einrichtung, die, um sich zu finanzieren, von der Gunst eines Publikums abhängt, das sich in seinen Gewohnheiten bestätigt sehen will, wird nichts anderes können, als dieses Publikum auf seiner rasanten Abwärtsspirale zu begleiten. Nichts anderes gilt für Theater, für Musik, für Film, für jede Art von Kunst: sie wird Kunst bleiben müssen, sie wird nicht den Anspruch stellen dürfen, ins Leben auszugreifen, sie wird für uns ebenso sinnlos sein, wie sie für die städtische Kulturlandschaft zweifellos eine Bereicherung darstellen wird. Sie wird keine Folgen haben ausser der, das, was ist, ein weiteres Mal zu bestätigen. So wird solche Kultur entweder die Erwartungen des Publikums bedienen oder untergehen, niemals jedoch das Publikum zu verändern versuchen. Zuletzt verkommt sie zu ihrer Grundform, und das ist in Würzburg immer noch der blinde Suff.” (der letzte hype)

(es handelt sich bei der stadt zwar um würzburg, aber man kann die verhältnisse ebenso auf heidelberg anwenden)

B-Seite. Festival für Videokunst und Jetztkultur MA

28. Oktober 2008

12.11. - 16.11. Zeitraumexit, Mannheim

Besitzer eines Plattenspielers werden das Konzept des Festivals für visuelle Kunst und Jetztkultur leicht nachvollziehen können: manchmal ist es das unscheinbare “B” auf der Vinylscheibe, hinter dem sich das wahre Kleinod verborgen hält. B-Seite spürt diesen Perlen nach, die abseits des Scheinwerferlichtes gedeihen, wagt einen zweiten Blick und scheut es nicht, den Tonabnehmer auf Rillen zu platzieren, die bislang unbeachtet blieben.
Das nicht-kommerzielle Festival setzt sich mit den Spielarten moderner visueller Kunst auseinander, lotet mediale Schnittmengen aus und erschließt dabei seinen Besuchern neue Betrachtungsweisen, Strömungen und Perspektiven. Video-Art, Computerkunst, interaktive Projektionen sowie Lichtdesign werden als tragende Eckpfeiler der Veranstaltung fungieren, Gespräche, Vorträge und Workshops werden zudem das visuelle und auditive Angebot flankieren. Zeitgleich findet die erste VJ-Konferenz im Süddeutschen Raum statt.

http://jetztkultur.de

57. Internationales Filmfestival: Starke Zeiten

28. Oktober 2008

Die Wettbewerbsfilme und das Programm gibts hier. Wir würden nur gerne auf diese Sondervorführreihe aufmerksam machen:

Starke Zeiten

Es war einmal: Hippie-Kommune und Flower-Power. Die 68er Jahre mit ihrer Aufbruchstimmung. Freie Liebe und Anarchie. Unter dem Pflaster vermutete man einen schönen Strand. Eine ganze Generation hatte die Revolte im Blut, und das überall auf der Erde von Europa bis in die USA, natürlich auch in Deutschland, wo studentische Kommunen gegründet wurden und Zehntausende auf die Straße gingen. Das war vor 40 Jahren und hatte Folgen für die politische Entwicklung.

Die Autorenfilme der 60er und 70er Jahre haben diese “Starken Zeiten” seismographisch erfasst und mit immer neuen Filmen verfolgt. Eine kleine Auswahl von diesen Filmen bis hin zum “Deutschen Herbst” haben wir für Sie zusammengestellt – ein Blick zurück in die Zukunft.

Alice’s Restaurant - Arthur Penn, USA 1969
Blow Up - Michelangelo Antonioni, Großbritannien 1966
Deutschland im Herbst - Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Katja Rupé, Beate Mainka-Jellinghaus, Hans Peter Cloos, Edgar Reitz, Alf Brustellin, Peter Schubert, Volker Schlöndorff, Maximiliane Mainka, Bernhard Sinkel, Deutschland 1977/1978
Geraubte Küsse - François Truffaut, Frankreich 1968
Die dritte Generation - Rainer Werner Fassbinder, Deutschland 1978
Hair - Milos Forman, USA 1979
Ich bin ein Elefant, Madame - Peter Zadek, Deutschland 1969
In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod - Alexander Kluge, Edgar Reitz, Deutschland 1974
Lina Braake - Bernhard Sinkel, Deutschland 1975
Redupers - Die allseitig reduzierte Persönlichkeit - Helke Sander, Deutschland 1977

“Linkspartei auf die Mülldeponie der deutschen Ideologie!”

26. Oktober 2008

“Wenn Lafontaine als Retter des kleines Mannes in Anlehnung an Feldwebelgestalten wie Müntefering gegen »Heuschrecken« als »Kernelement des internationalen Finanzkapitalismus« wettert oder etwa ein Jürgen Elsässer, dieser Bücher am Fließband produzierende Horst Mahler-Erbe, mit Schaum vor dem Mund von der »Zerstörung der Nationen« durch selbige brabbelt, läßt sich anhand solch zoologischer Metaphorik und genuin antisemitischer Halluzinatorik auch etwas vom Bewußtseinsstand der Linksakademiker ablesen, hinter dem sich u.a. eine der nach Umbenennung der DAF in DGB einsetzenden Prosperitätsära hinterhertrauernde Sozialnostalgie und Sehnsucht nach dem Staat des ganzen deutschen Volkes verbirgt. Weil die Partizipation an einer Partei notwendig die am Staat ist und als staatsbürgerliche Affirmation von Herrschaft und – in völkischer Urform – gerade in Deutschland die symbiotisch-instinktive Mimikry seiner Insassen an die Nation als kapitalem Verwertungsszusammenhang, staatlicher Zuchtanstalt und abstammungsgenetischer Gebärgemeinschaft reproduziert, können die verfassungspatriotischen Ideologen des deutschen Staates von Linkspartei/SDS nur eines perpetuieren: den zwangsdemokratisierten Volksgemeinschaftsstaat des Postnazismus. Karl Marx diagnostizierte im Kommunistischen Manifest vor 160 Jahren zum deutschen, »wahren« Sozialismus: Seine Erhaltung ist die Erhaltung der bestehenden deutschen Zustände. […] Das Gewand, gewirkt aus spekulativem Spinnweb, überstickt mit schöngeistigen Redeblumen, durchtränkt von liebesschwülem Gemütstau, dies überschwengliche Gewand, worin die deutschen Sozialisten ihre paar knöchernen »ewigen Wahrheiten« einhüllten, vermehrte nur den Absatz ihrer Ware bei diesem Publikum. Seinerseits erkannte der deutsche Sozialismus immer mehr seinen Beruf, der hochtrabende Vertreter dieser Pfahlbürgerschaft zu sein. Er proklamierte die deutsche Nation als die normale Nation und den deutschen Spießbürger als den Normalmenschen. Er gab jeder Niederträchtigkeit desselben einen verborgenen, höheren, sozialistischen Sinn, worin sie ihr Gegenteil bedeutete. Er zog die letzte Konsequenz, indem er direkt gegen die »rohdestruktive« Richtung des Kommunismus auftrat und seine unparteiische Erhabenheit über alle Klassenkämpfe verkündete. Mit sehr wenigen Ausnahmen gehört alles, was in Deutschland von angeblich sozialistischen und kommunistischen Schriften zirkuliert, in den Bereich dieser schmutzigen, entnervenden Literatur.” (Gruppe »Waffe der Kritik«)

Im Kapitalismus geht es zu wie in der Kirche

26. Oktober 2008

“Im Kapitalismus geht es zu wie in der Kirche. Solange alle gläubig sind wie die Hammel, so lange vollzieht sich das profitable Wunder der Wandlung von Südtiroler Bauernblut zum Fusel Christi. Die Skeptiker, Agnostiker und Kritikaster müssen raus, damit »die neue Liebe zum Staat« Wurzeln schlagen kann: Bevor der Anti-Christ, der Kommunismus, kommen kann, bevor »der besten aller Lebensformen, der Sozialen Marktwirtschaft mit freiem Unternehmertum« der längst verdiente Garaus bereitet wird.” (ISF, jungle world)